Restauration eines Thorens TD 125 mit SME 3012R

Die Fehlersuche beginnt

Das Gerät kam mit dem Fehler, dass der Plattenteller ruckelt und stehenbleibt. Außerdem ging die 16er Geschwindigkeit nicht und die Feinregelung der Geschwindigkeit war außerhalb des Einstellbereichs. Der Tonarm war in einem schlechten Zustand, durch die defekte Gummilagerung hing das Gegengewicht stark noch unten durch.
Als Ursache des Ruckelns stellte sich der Motor – Pulley mit Rutschkupplung heraus. Das Pulley wurde zerlegt, komplett vom Zahn der Zeit gereinigt, die Rutschkupplung instandgesetzt und montiert. Der anschließende Probelauf verlief erfolgversprechend, die korrekte Sollgeschwindigkeit konnte aber nicht erreicht werden.

Die Elektroplatine

Die Ursache fand sich auf der Elektronikplatine. Einige Kondensatoren zeigten Risse, die Kontakte der 9 Trimmpotis waren schwarz. Diese Teile wurden komplett gegen hochwertige Neuteile in passender Bauform getauscht. Anschließend erfolgte der Abgleich der 9 Trimmer mit Oszilloskop und Multimeter. Nach sorgfältigem Abgleich waren alle Werte und Kurven perfekt.
Die Feineinstellung der Geschwindigkeit funktionierte aber noch nicht korrekt. Als Fehlerquelle zeigten sich stark oxidierte Kontakte des Geschwindigkeitsschalters.
Diese wurden mit einem von uns entwickelten Verfahren gründlich aber sehr schonend von den Oxydschichten befreit und konserviert. Wir verwenden für solche Arbeiten niemals Kontaktspray, da der Erfolg meist nur von kurzer Dauer ist. Kontaktspray ist nicht in der Lage, Oxydbelag vollständig zu entfernen, wie das mit unserer Methode möglich ist.
Danach funktionierte die Feineinstellung einwandfrei.
Zeit, sich dem Tonarm zuzuwenden. Das alte Gummilager vor den Gegengewichten, das der Resonanz – Reduzierung dient, wurde entfernt, es bestand nur noch aus Bröseln. Die Rohre wurden gründlichst von Gummi- und Kleberresten gereinigt und die neuen Lagergummis mit einem Spezialkleber verklebt. Nach dem Zusammenbau was der ursprüngliche Zustand des Tonarmhinterteils wieder hergestellt.
Das Motorlager und das Plattentellerlager wurden mit den vorgeschriebenen Schmierstoffen versorgt.
Nach provisorischem Zusammenbau wurden die Federn des Subchassis eingestellt, was bei diesem Modell nicht ganz einfach ist. Es stellte sich auch heraus, dass die Cinchstecker an der Tonarmbasis das vom Schreiner hergestellte Gehäuse berühren und der Arm nicht frei schwingen kann.  Hier muss durch ein anderes Kabel Abhilfe geschaffen werden, zumal das Original – SME – Kabel recht steif ist und daher nicht unbedingt für solche Subchassis geeignet. Ich will eine Lösung mit dem Besitzer besprechen, das lieget außerhalb des eigentlichen Reparaturauftrages.
Es stellte sich bei der Untersuchung des Kabels heraus, dass die rechte Cinchbuchse völlig lose war und festgeschraubt werden musste.
Nach der Reparatur der Elektronikplatine funktionierte die Geschwindigkeitsumschaltung auch für 16 einwandfrei. Nach der Montage der Bodenplatte jedoch nicht mehr. Als Ursache stellte sich heraus, dass der Schreiner, der die Zarge gebaut hat, die Bodenplatte unter dem Schiebeschalter nicht weit genug freigefräst hatte. Die Fräsung wurde daher von mir erweitert, damit der Schiebeschalter genügend Raum hatte, sich in beide Richtungen zu bewegen.
Der Kunde hatte keinen Nadelschutz für das Denon DL-103 Mooving – Coil – System mitgeliefert, daher habe ich einen mit dem 3-D Drucker gedruckt, damit die Nadel nicht beschädigt wird. Der Handgriff am Headshell fehlte und wurde aus dünnem Aluminiumblech hergestellt. Die Zuleitungskabel zum Tonabnehmer waren in einem schlechten Zustand und wurden getauscht, ebenso die Schrauben. Jetzt ging es um die Justierung von Tonabnehmer und System. Zunächst wurde mit einem Spezialmikroskop der Zustand der Nadel geprüft und für gut befunden. Der Überhang war problemlos mit unserer Creamus – Justagevorrichtung „Protractor“ einstellbar. Um die Parallelität des Tonarms zu justieren, muss eine Fixierschraube gelöst werden, damit der Tonarm in der Höhe verstellt werden kann. Leider war diese kleine Innensechskantschraube durch ungeeignetes Werkzeug in der Vergangenheit so „vermackelt“, dass ich sie gerade so herausbekommen konnte.  An Wiederverwendung war so nicht zu denken. Ich hatte aber diese Schraube nicht am Lager (Zollgewinde) und habe daher für einen provisorischen Einbau einen kleinen Schlitz auf die Oberseite gesägt, damit ich sie mit einem Schlitzschraubendreher festdrehen konnte. Das hat gut geklappt, die Schraube wurde aber besorgt und später ausgetauscht.
Nach einer Feineinstellung aller Tonarmparameter und Überprüfung der Auflagekraft mit einer geeichten Feinwaage wurde mit zwei Testplatten eine ausgiebige Überprüfung vorgenommen. Beim Hörtest bestätigte sich die korrekte Justage.

WICHTIG: Der vorgeschrieben Test nach VDE 701 ist nicht bestanden! Das Netzkabel muss gegen ein vorschriftsmäßiges, doppelt isoliertes ausgetauscht werden!
Ich versuche, die defekte Schraube für den Tonarm in England zu bekommen.

Das Tonarmkabel stößt gegen die Zarge, daher kann das Subchassis nur eingeschränkt schwingen. Der Rand der Zarge ist im Ausschnitt zu hoch, durch ein neues, flexibles Kabel kann die Einschränkung beseitigt werden.

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